Birnengitterrost am Wacholder

Birnengitterrost am Wachoder

 

Birnengitterrost = Wacholder + Birnbaum

Erfahrungen eines Gartenfachberaters aus dem Kreisverband Leipzig der Kleingärtner Westsachsen

Helmut KnorrGartenfachberater im KGV „Gemeinnutz Engelsdorf“, meint eindeutig: „Von buschförmigem Wachholder müssen sich alle trennen, das ist das Einfachste.“  Er hatte vor zwei Jahren in seiner Kleingartenanlage einen Test durchgeführt und gelangte zu dieser These. Seine Begründung dafür ist verständlich und interessant.

Der Birnengitterost überwintert mehrere Jahre oft unerkannt überwiegend an buschförmigem Wachholder. Von Ende März bis Anfang Mai startet und „erblüht“ er orangenfarben im Inneren des Wachholders. Allerdings ist die „Blühte“ nur etwa zehn Tage zu sehen.

Seine Sporen vagabundieren mit dem Tanz des Winters von nah bis fern und bleiben offenbar monatelang fruchtbar. Wenn sie junges Birnenblattgrün vorfinden, auch schon mal bis August. Die Ansteckung an der Birne erfolgt, sobald das junge Blatt sich öffnet, besonders im Frühjahr, aber ebenfalls auch bei länger anhaltender Blattfeuchte in ca. drei Stunden. Erst drei bis vier Wochen nach der Ansteckung wird die Erkrankung durch die orangefarbenen Punkte auf dem Birnenblatt  sichtbar. Dann ist es für eine „Heilung“ bereits zu spät. Also, was tun ?

Der Birnengitterost tritt meistens im Mai auf. Wer etwa Mitte bis Ende April seinen Wachholderbusch im Inneren genau besichtigt und die  Befallsstelle mit einem kupferhaltigen Mittel spritzt, hat Anfang Mai keinen Pilzbefall am Wachholder. Wer seinen Birnenbaum etwa Mitte April, wenn die ersten Birnenblätter sich entrollen (Blüte), mit Neudo-Vital und etwa zehn Tage später z.B. mit Ectivo, oder einem anderen Mittel gegen Obstschorf spritzt, bleibt in dem Jahr birnengitterrost-befallsfrei. Diese Mittel sind für Bienen ungefährlich. Nur der Wachholderbesitzer kann den orangefarbenen Pilz und nur zu dem genannten Zeitpunkt durch wiederholtes Auseinanderbiegen aller Zweige rechtzeitig erkennen und ausrotten. Das Belassen birnengitterrost-kranker Wachholder ist eine nicht gerechtfertigte Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn. Sie müssen entfernt werden. Geschreddertes krankes Wachholdergehölz und befallenes Birnenlaub können kompostiert werden. Mit dem Abschluss der Kompostgare ist in beiden Fällen der Birnengitterrostpilz tot.

Fazit: Alle Gartenfreunde, welche  diese Hinweise beachteten, hatten ganzjährig keinen Birnengitterrost. Nicht die Birnenbäume entfernen, der Wachholderbusch muss raus!

 

Die Meinung von Ralf Hesse, Leiter der Gartenfachkommission des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK)

Wir, die Fachkommission des SLK sind erfreut, wenn sich die Fachberater der Vereine mit solch wichtigen Pflanzenschutzproblemen wie dem Birnengitterrost (Gymnosporangium fuscum syn. Gymnosporangium sabinae) auseinandersetzen. Nur so kann dem Verschwinden der Birnbäume in den Kleingärten Einhalt geboten werden.

Über den Verlauf dieser Krankheit existieren bei vielen Gartenfreunden nebulöse Vorstellungen. Ebenso über Mittel und Wege deren Bekämpfung.

Birnengitterrost gehört zu den wirtswechselnden Rostpilzen (Uredinales). Für seinen vollständigen Entwicklungszyklus benötigt er zwei Wirtspflanzen. Den Wacholder (Juniperus) und den Birnbaum (Pyrus communis). Von den ca. 50 bis 60 Wacholderarten und –sorten sind nur rund 20 stark bis gering anfällig. Aber eben nicht nur buschförmige Wacholder! Der Sadebaum (Juniperus sabina) z.B. ist stark anfällig. Ist der Wacholder einmal infiziert, dann ist dieser für immer befallen.

Wir als Kleingärtner haben keine Möglichkeiten hier mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) eine Bekämpfung erfolgreich durchzuführen. Beim Wacholder bilden sich von Ende März bis Ende Mai Teleutosporen an Zweigen und Blättern. Da der Pilz beim Wacholder eine wachstumsfördernde Wirkung hat, bilden sich Astverdickungen. Das Myzel des Pilzes kann sich so im Gehölz über Jahre ausbreiten.

Es nützt also nichts, sichtbare befallene Stellen auszuschneiden. Der Pilz ist latent vorhanden und sport immer wieder aus. Das Einzige was hier hilft, ist das Roden des betroffenen Gehölzes. Ich wäre mir da nicht sicher, ob man befallenen Wacholder als Häckselgut kompostieren sollte. Die Sporen fangen an zu keimen und es entstehen Basidiosporen. Diese werden weggeschleudert und über große Entfernungen (Windeinwirkung) auf den Nebenwirt verfrachtet. Das sind zu dieser Jahreszeit junge Birnenblätter.

Der Rostpilz dringt in wenigen Stunden in das Blatt ein. Regenwetter begünstigt diesen Vorgang ungemein. Dies ist aber der ideale Zeitpunkt die Krankheit am Birnenbaum mit PSM zu bekämpfen.

Es war schon jahrelang möglich, mit gegen Schorf zugelassenen Mitteln zu spritzen. Seit 2010 steht uns ein neues gegen Birnengitterrost zugelassenes Mittel zu Verfügung (Duaxo Universal Pilz-frei von Compo). Dieses PSM 3 bis 4 Mal im Abstand von 10 bis 12 Tagen gespritzt, verhindert zuverlässig das Eindringen der Basidiosporen.

Es ist natürlich von Vorteil, wenn der Birnenbaum von der schnittmäßigen Erziehung her eine erreichbare Krone aufweist. Sollte mit dem PSM nicht jedes Blatt getroffen werden und einzelne wenige befallene Stellen vorhanden sein, so kann man diese einfach entfernen.

Da die Sporen, welche vom Wacholder kommen ungeschlechtliche Sporen sind, werden diese erst am Birnenblatt zu geschlechtlichen Sporen. Diese befinden sich unterhalb der Blätter (orangefarbene Flecken und weiße Sporen). Diese Sporen (Äcidiosporen) fliegen im September auf junge Wacholderblätter. Somit ist der Kreislauf geschlossen.

Fazit: Nur Wachholder ist der Auslöser. Keine Thuja, keine Fichte, keine Kiefer.

Birnenbäume sind nach dem Blattfall wieder ohne Birnengitterrost. Abgefallene Blätter können bedenkenlos  kompostiert werden. Ein sachgemäßer Baumschnitt zur Erziehung einer beherrschbaren Krone ist sehr wichtig. Da es heutzutage neue und attraktive Birnensorten gibt, sollte man doch einmal den Versuch wagen, einen neuen Birnenbaum zu pflanzen. 

Informationen erhalten Sie bei Ihrem Fachberater im Verein oder bei der Garten-Fachkommission (GFK) des SLK.       

Anmerkung der Redaktion:

Interessante Erfahrungen, die zeigen, dass auch der leidige Birnengitterrost aus unseren Gärten verbannt werden kann. Allerdings funktioniert das nur, wenn sich die Gartenfreunde in der Kleingartenanlage einig sind und alle infrage kommenden Wachholder entfernt werden. Es wäre vorteilhaft, wenn in dieser Sache benachbarte Vereine zusammenarbeiten würden, denn die Sporen fliegen weit. Eine lohnenswerte Aufgabe für die Gartenfachberater und ihre Vorstände.    

 

Quelle: http://stadtverband-leipzig.de/

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